Deutsch-polnische Wirtschaftsbeziehungen

Einführung

Die engen und vielfältigen deutsch-polnischen Beziehungen werden von der sehr guten und intensiven wirtschaft‑lichen Zusammen­arbeit maß­geblich mit­bestimmt. Als größter Markt unter den neuen EU-Mitglieds­ländern und als zweitgrößter Nachbar Deutschlands nach Frankreich nimmt Polen eine Schlüssel­position in Mittel- und Ost­europa ein.

Außenhandel

Nicht erst seit Polens Beitritt in die EU 2004 hat der deutsch-polnische Handel über die Jahre eine sehr dynamische Entwicklung durchlaufen. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Polens. 2016 gingen über 27 Prozent des polnischen Exports dorthin. Gleichzeitig wächst Polens Bedeutung für die deutsche Wirtschaft kontinuierlich. Als größter Handelspartner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa lag Polen 2016 zugleich auf Rang 7 in der deutschen Außenhandelsstatistik.

Nach vorläufigen Jahresergebnissen des Statistischen Bundesamtes erreichte der deutsch-polnische Warenhandel 2016 mit 101,3 Mrd. Euro Gesamtumsatz zugleich einen neuen Höchststand (Einfuhr: 46,5 Mrd. Euro, Ausfuhr: 54,8 Mrd. Euro). Im Vergleich zu 2015 bedeutet dies einen Zuwachs von ca. fünf Prozent. Der positive Saldo des deutsch-polnischen Außenhandels betrug 8,3 Mrd. Euro.

Unter den deutschen Ausfuhren dominieren Kraftfahrzeuge und Kfz–Teile, Maschinen und Anlagen, Elektrotechnik und chemische Erzeugnisse. Polen exportiert vor allem Teile und Zubehör für Kraftfahrzeuge, Lebensmittel, Möbel und Haushaltsgeräte (weiße Ware und Fernseher).

Deutsche Investitionen in Polen

Bei den ausländischen Direktinvestitionen in Polen stehen deutsche Unternehmen sowohl zahlenmäßig als auch in Bezug auf den Investitionsumfang an erster Stelle. So belaufen sich die deutschen Direktinvestitionen in Polen seit dem Systemwechsel 1989/1990 auf ca. 27 Mrd. Euro. Im Jahr 2015 erreichten die deutschen Direktinvestitionen 2,4 Mrd. Euro.

Ein großer Teil der Investitionen fließt in die Automobilindustrie und in die Auslagerung von Geschäftsprozessen (insbesondere im IT-Bereich). 2016 unterzeichnete die polnische Regierung mit Daimler AG einen Vertrag über den Bau eines Motorenwerkes in ca. 70 Kilometer westlich von Breslau liegenden Jawor. Die Investition soll in der ersten Etappe rund 500 Millionen Euro kosten und  550 direkte und mehrere Tausend  indirekte Arbeitsstellen in der Region schaffen. Weitere Investitionsschwerpunkte liegen im Maschinenbau, im Chemie- und Pharmabereich, in der Finanz- und Versicherungsbranche, im Groß- und Einzel­handel sowie im Energiesektor.

Polnische Investitionen in Deutschland

Deutschland zieht auch viele polnische Unternehmen an, die dort verstärkt investieren und Arbeits­plätze schaffen, u.a. in den Bereichen Mineralöl, Chemie, IT, Handel und Dienst­leistungen. 2014 erreichten die polnischen Investitionen in Deutschland nach Angaben der Deutschen Bundesbank einen Umfang von 980 Mio. Euro.

Stärken des Standorts Polen

Ungeachtet der wachsenden internationalen Konkurrenz gilt Polen bei deutschen Unternehmen als attraktiver Standort Mittel- und Ost­europas. Zu seinen Stärken zählen die Mitgliedschaft Polens in der EU und Zugang zu hohen Förder­mitteln, der große, dynamische Binnen­markt mit 38 Millionen Einwohnern, die geographische Nähe Polens zu Deutschland und anderen wichtigen Export­märkten, die Verfüg­bar­keit gut aus­ge­bil­deter Hoch­schul­absol­venten und qualifizierter, motivierter Fach­kräfte sowie die Präsenz lokaler Zulieferer und Partner.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Deutschland unterstützt Polens wirtschaftlichen Aufhol­prozess seit Jahren auf viel­fältige Weise. Im Rahmen der EU, der Polen seit 2004 angehört, leistet Deutschland als größter Netto­zahler einen wichtigen Beitrag für die wirtschaftliche Entwicklung Polens. Auch fördert Deutschland Polen über Programme der Welt­bank, der Europäischen Bank für Wieder­aufbau und Entwicklung sowie des Internationalen Währungs­fonds.

Hervor­zuheben ist auch die vielfältige regionale und grenznahe Zusammen­arbeit. Die Aktivitäten werden durch eine regel­mäßig tagende Regierungs­kommission unter Beteiligung der deutschen Bundes­länder und der polnischen Woiwodschaften koordiniert. Zugleich ist eine Reihe bilateraler Fach­gremien tätig (u.a. zum Ausbau der Grenz­über­gänge und zu gemein­samer Planung von Verkehrs­wegen, Straßen- und Güter­verkehr, zu Umwelt­fragen, zu Fragen rund um den gemeinsamen Grenz­fluss, die Oder, und zu Binnen- und See­schiff­fahrt).

Der Beitritt Polens zum Schengen-Abkommen mit dem Wegfall der Personen­kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze hat die grenz­über­schreitende Zusammen­arbeit wesentlich erleichtert.

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