Wirtschaftslage in Polen

Wirtschaftsstruktur

Seit Beginn der Transformation 1990 hat Polens Wirtschaft eine eindrucksvolle Entwicklung durchlaufen. Der EU-Beitritt im Jahr 2004 hat diesen Trend nochmals positiv stimuliert Die Bruttowertschöpfung erfolgt inzwischen zu 60 Prozent im Dienstleistungssektor,  zu 23,4 Prozent in der Industrie (ohne Baugewerbe) und zu 2,3 Prozent in der Landwirtschaft. Etwa 70 Prozent der Wertschöpfung entsteht im Privatsektor. Drei von vier Arbeitnehmern sind in der Privatwirtschaft tätig.

Wirtschaftswachstum

Polen konnte in den letzten Jahren ein durchgängig positives Wirtschaftswachstum verzeichnen. 2016 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent. Das Wachstum wird getragen durch eine wirtschaftsfreundliche Politik, fiskal­politische Stabilität, ein flexibles Arbeitsrecht, durch die konsequente Nutzung von EU-Fördermitteln für den Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt auch durch umfangreiche ausländische Direktinvestitionen. Der im Februar 2017 verabschiedete „Plan für verantwortungsvolle Entwicklung“ soll durch Reindustrialisierung und Digitalisierung, durch die Mobilisierung von Investitionen und Kapital und die Förderung benachteiligter Regionen die Grundlage für einen raschen Aufschluss zu den großen europäischen Industrienationen schaffen.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote lag 2016 im Jahresdurchschnitt bei 6,3 Prozent (Eurostat), die polnische Statistik (GUS) wies 8,3 Prozent aus. Das ist die niedrigste Quote seit 25 Jahren. Auch die Jugendarbeitslosenquote (15-24-jährige) ist zurückgegangen, sie lag im Dezember 2016 bei 17,5 Prozent. In den letzten Jahren stieg besonders die Jugendarbeitslosigkeit, da das  Bildungs- und Ausbildungsangebot  nur unzureichend am Bedarf des Arbeitsmarktes ausgerichtet ist. Für das laufende Jahr wird eine weitereEntspannung am Arbeitsmarkt erwartet; die Arbeitslosen­quote soll 2017 laut EU-Prognose auf 5,6 Prozent sinken.

Inflation/Deflation

Die Inflation setzte 2016 den seit Sommer 2014 anhaltenden Trend fort, allerdings schwächte sich die negative Rate zum Jahresende ab und betrug im Jahresmittel nur noch minus 0,2 Prozent (nach minus 0,7 Prozent 2015). Ursächlich waren gesunkene Preise von Rohstoffen (Öl) und Lebensmitteln. 2017 hat eine erwartete Trendwende eingeläutet. Im Januar betrug die Inflation 1,4 Prozent. Die Regierung erwartet eine Jahresinflation von 1,3 Prozent.

Die polnische Notenbank NBP hat ihren Leitzins zuletzt im März 2015 auf 1,5 Prozent abgesenkt. Der geldpolitische Rat schließt 2017 eine Anhebung nicht grundsätzlich aus, will dies jedoch von Inflations- und Wirtschaftsentwicklung abhängig machen.

Haushalt

Trotz eines abgeschwächten Wachstums 2016 ist die gesamtwirtschaftliche Lage Polens stabil. Das öffentliche Defizit lag bei minus2,3 Prozent (EU-Winterprognose), die öffentliche Schuldenquote bei 53,6 Prozent des BIP (EU-Winterprognose). Der Haushalt 2016 brachte eine Abkehr von Kurs der Haushaltskonsolidierung, um Wahlversprechen wie das Kindergeld 500+ umsetzen zu können. Die Haushaltsumsetzung gelang u.a. durch massive Einsparung bei öffentlichen Investitionen. Der Haushalt 2017 geht von einem Wachstum von 3,6 Prozent bei einer Inflation von 1,3 Prozent und einem öffentlichen Defizit von 2,9 Prozent aus. Dem Haushalt 2017 entstehen neben dem Kindergeld zusätzliche, noch nicht bezifferbare Kosten durch die am 1. Oktober in Kraft tretende Absenkung des Rentenalters.

Auslandsinvestitionen

Polen gilt bei deutschen Unternehmen weiterhin als einer der attraktivsten Standorte Mittel- und Osteuropas. Zu seinen Stärken zählen die EU-Mitgliedschaft und Zugang zu hohen Fördermitteln (allein 2016 waren es etwa 6 Mrd. Euro; seit dem EU-Beitritt 2004 wird der Netto­zufluss auf 89 Mrd. Euro geschätzt), der große, dynamische Binnen­markt mit 38 Millionen Einwohnern, die geographische Nähe Polens zu Deutschland und anderen wichtigen Exportmärkten, die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Hochschul­absolventen und qualifizierter, flexibler Fachkräfte sowie die Anwesenheit lokaler Zulieferer und Partner. Auch in der neuen EU-Förder­periode (2014–2020) erhält Polen mit etwa 105,8 Mrd. Euro den größten Anteil aus den EU-Struktur­fonds.

Außenhandel

Der Handel mit den EU-Mitglieds­staaten entwickelte sich in den letzten Jahren sowohl auf der Import- als auch der Exportseite dynamisch weiter. Das Schwer­gewicht des Außenhandels hat sich 2016 zunehmend auf die EU-Länder verlagert (80 Prozent der Exporte und fast 61 Prozent der Importe), wobei Deutschland als mit Abstand größter Handelspartner Polens eine herausragende Stellung einnimmt (27 Prozent der polnischen Gesamtausfuhr und 23 Prozent der Gesamteinfuhr). Deutschlands Außenhandel 2016 mit Polen hat nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes mit einem Volumen von über 101,3 Mrd. Euro und einem siebten Platz auf der Länder­rangliste einen neuen Rekord erreicht. Die deutschen Aus- als auch Einfuhren aus Polen sind gegenüber der gleichen Vorjahres­zeit um ca. 5 Prozent gestiegen.

Wichtige Branchen

Wichtige polnische Wirtschafts­zweige mit langer Tradition sind die Lebens­mittel­industrie, der Energiesektor, der Bergbau und die Hütten­industrie, gefolgt von Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik, Fahrzeugbau sowie der Textil- und Bekleidungs­industrie. In der Elektrobranche ist Polen der größte Montage­standort für Elektro-Haushaltsgeräte in Europa.

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Gdingen

Daten zur polnischen Wirtschaft

Statistik

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