Gedenkfeier für die Opfer des NKWD-Lagers Tost

 Bild vergrößern (© Deutsches Konsulat Oppeln) Auf Einladung des Vorstands des Deutschen Freundschaftskreises Tost und der Familienangehörigen der Opfer fand am 15. Mai am Denkmal der Opfer des ehemaligen NKWD Lagers in Tost aus Anlass des 72ten Jahrestags der Tragödie eine Gedenkfeier statt.

Dazu reisten zahlreiche Familienangehörige von Opfern des NKWD-Lagers nach Tost. Gemeinsam mit dem Abgeordneten des Deutschen Bundestag, Klaus Brähmig (CDU), dem Abgeordneten des Sejmik von Schlesien Herrn Kiełbasa und Mitgliedern des deutschen Freundschaftskreises sowie kommunalen und regionalen offiziellen Vertretern wurde der Toten von Tost mit einer Feierstunde und Kranzniederlegung gedacht. Das Deutsche Konsulat förderte die Feier finanziell, Konsulin Sabine Haake hielt neben anderen Festredner eine Rede und legte einen Kranz nieder.

Der Bürgermeister der Stadt sowie der Stadtrat von Tost begrüßten erneut den großen persönlichen Einsatz von Frau Sybille Krägel, Ehrenbürgerin der Stadt Tost, für die Aufarbeitung der Geschichte.

Die Suche nach ihrem 1945 in Sachsen vom sowjetischen Geheimdienst „Narodny komissariat wnutrennich del“ (NKWD) verhafteten Vater brachte die Historikerin Sybille Krägel aus Hamburg zur Erforschung der Geschichte des NKWD-Lagers in Tost. Das Schicksal ihres Vaters wie der anderen Opfer bewegt nach wie vor nicht nur die betroffenen Angehörigen, sondern die Menschen aller Generationen, ob Polen oder Deutsche.

Tost war ein zeitweiliges Außenlager des Gefängnisses Bautzen. Bei Kriegsende 1945 richtete die sowjetische Besatzungsmacht in Bautzen das sogenannte Speziallager Nr. 4 ein, zur „vollständigen Isolierung feindlicher Elemente“. Im Mai 1945 waren dort 6000 Menschen eingepfercht, obwohl nur Kapazität für 1000 Personen bestand. Deshalb wurden mehr als 4000 Menschen von Bautzen nach Tost transportiert.

Während des Transportes und des Aufenthaltes in Tost starben von Mai bis November1945 3000 bis 3200 internierte Deutsche an unmenschlicher Behandlung, Krankheit und Unterernährung. Sie wurden mehrheitlich in einem Massengrab in einer Kiesgrube in der Nähe des Lagers bestattet.

Frau Krägel und ihrer Initiative „NKWD-Lager Tost/Oberschlesien 1945“ ist es zu verdanken, dass die Geschichte des Lagers Tost aufgearbeitet wurde.

In Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe der deutschen Minderheit in Tost und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde eine kleine Gedenkstätte für die Opfer des NKWD-Lagers Tost eingerichtet und gepflegt.

Gedenkfeier für die Opfer des NKWD-Lagers Tost