Konzert „Musik der Reformation“

NFM-Chor Bild vergrößern (© Ryszard Rajchert) Das Konzert wurde zum 500-jährigen Reformationsjubiläum veranstaltet, weil in diesem Jahr der historische Auftritt Martin Luthers genau ein halbes Jahrtausend zurückliegt. Das Wirken Luthers sorgte für ein breites Echo nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Die Reformation veränderte die Kirchengeschichte, sie hatte Einfluss auf die Entwicklung des sozialen und politischen Lebens in Europa und auf anderen Kontinenten, sie wirkte auf Literatur und Kunst und prägt seit fünf Jahrhunderten das Bild der westlichen Zivilisation mit. Der Protestantismus gelangte sehr früh nach Breslau. Der Ort des Konzerts wurde nicht zufällig gewählt: in der  Maria-Magdalenen-Kirche fand  schon 1523 der erste lutherische Gottesdienst in Breslau statt. Bis 1945 gehörte die Kirche den protestantischen Gläubigen, heute ist sie ein Gotteshaus  der Polnisch-Katholischen Kirche.

Das Programm des Konzertes zeigte die Vielfalt der Musik, die direkt aus der Tradition des protestantischen Chorals schöpft. Johann Sebastian Bach (1685-1750), nach Ansicht von Witold Lutosławski „das größte Musikgenie aller Zeiten“, Kantor der Thomaskirche in Leipzig, Autor zahlreicher Kantaten, Messen, Passionen und Oratorien, knüpfte oft an den protestantischen Choral an. Man kann sogar sagen, dass der protestantische Choral sein musikalisches „tägliches Brot“ war. Seine Spuren, Zitate oder musikalische Bearbeitungen sind fast überall in Bachs Schaffen zu finden. Ein Beispiel dafür ist die großartige Motette „Singet dem Herrn“ BWV 225, die für zwei Chöre komponiert wurde. Bach hat den Text den Psalmen Nr. 149 und 150 sowie dem Choral „Wie sich ein Vater erbarmet“ entnommen. Die zweite aufzuführende Bach-Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“ BWV 230 wurde für einen Chor mit Orgelbegleitung vorgesehen.

Die Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) gilt allgemein als eines der Symbole der Romantik. Seine „Italienische Sinfonie“, der heitere „Hochzeitsmarsch“, das leidenschaftliche und lyrische Geigenkonzert, die „Lieder ohne Worte“ stellen unsere ersten Assoziationen zum Werk dieses berühmten deutschen Komponisten, Dirigenten und Pianisten dar. Man sollte daran denken, dass Mendelssohn-Bartholdy, dieser „Klassiker der Romantik“, oft auf die Vergangenheit und die alte Tradition zurückblickte. Er leistete einen persönlichen Beitrag zur Renaissance des Interesses an Bachs Schaffen, indem er 1829 in Berlin die erstmalige Wiederaufführung der Matthäus-Passion von J.S. Bach nach dem Tod des großen Kantors dirigierte. Mendelssohn-Bartholdy stammte aus einer Familie jüdischer Herkunft, 1816 taufte sein Vater Abraham seine Kinder protestantisch, deshalb verkörperte der Autor der „Reformations-Sinfonie“ das geistige Erbe zweier religiöser Traditionen – des Judaismus und des Christentums. Als Beweis für seine tiefe religiöse Sensibilität gelten nicht nur die beiden großartigen, monumentalen Oratorien „Paulus“ und „Elias“ oder das unvollendete Oratorium „Christus“. Über religiöse und geistige Inspiration verfügen auch die wunderschönen Bearbeitungen von Psalmen. Diese religiöse Musik Mendelssohn-Bartholdys ist u.a. durch die „Drei Psalmen für Solostimmen und Doppelchor Op. 78“ aus den Jahren 1843-1844 sowie die „3 Motetten Op. 69“ aus dem Jahr 1847 vertreten. Ein Beispiel für sein frühes religiöses Werk ist das „Hora est“ für 16 Solostimmen und Orgel. Mit seinen Hymnen, Psalmen und Motetten fügt sich Felix Mendelssohn-Bartholdy in origineller Weise in die großen europäischen Traditionen der europäischen religiösen Musik ein. Vertreterin der Instrumentalmusik auf dem Konzertprogramm ist die „Chaconne“ in g-Moll für Solo-Orgel von Johann Krieger, dem deutschen Komponisten und Orgelspieler der späten Barockzeit. Er war einer der Schöpfer hervorragender Traditionen der deutschen Orgelmusik, die Johann Sebastian Bach in seinem Schaffen in genialer Weise aufgriff.

PROGRAMM

Johann Sebastian Bach (1685-1750) 
Singet dem Herrn BWV 225
Lobet den Herrn, alle Heiden BWV 230

Johann Krieger (1651-1735)

Chaconne g-moll – Orgel solo

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Hora est, MWV B 18
Herr, nun lässest du deinen Diener (Nunc dimittis) op. 69 Nr 1m, MWV B 60
Mein Gott, warum hast du mich verlassen op. 78 Nr 3, MWV B 51
Warum toben die Heiden op. 78 Nr 1, MWV B 41
Jauchzet dem Herrn alle Welt, WoO 28, MWV B 45
Herr, sei gnädig,WoO 12, MWV B 27
Denn er hat seinen Engeln, MWV B 53

Ausführende:

Agnieszka Franków-Żelazny – Dirigentin

Markus Leidenberger (Dresden) – Orgel

Chor des Nationalen Musikforums in Breslau

Markus Leidenberger

Markus Leidenberger