Konferenz "Der Arbeitsmarkt als Herausforderung, Berufsausbildung als Chance“

AHK-Konferenz Bild vergrößern AHK-Konferenz (© AHK Polen)

Botschafter Nikel sprach zur Eröffnung der Konferenz "Der Arbeitsmarkt als Herausforderung, Berufsausbildung als Chance".
-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Premierminister,
sehr geehrte Frau Ministerin,

sehr geehrte Frau Burger,

sehr geehrter Herr Kern,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen für die Einladung zur heutigen Konferenz und für das große Interesse an einem internationalen Erfahrungsaustausch zur beruflichen Bildung. Mein besonderer Dank gilt der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer für ihr großes Engagement in diesem Bereich.

Berufliche Bildung spielt eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung junger Menschen auf das Arbeitsleben und für die Deckung unseres künftigen Fachkräftebedarfs. Trotzdem wird sie in der politischen Debatte oft vernachlässigt. Bei Eltern, Schülern und in der Öffentlichkeit genießt sie noch zu wenig Ansehen.

 

Tatsächlich leistet die berufliche Bildung einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaften heute und in der Zukunft. Wir brauchen eine gut ausgebildete Erwerbsbevölkerung, in der neben Linguisten und anderen Akademikern auch ein breites Spektrum technischer und fachlicher Kompetenzen vorhanden ist.

Die Ausbildung muss Schritt halten mit den sich rasch wandelnden Anforderungen der Wirtschaft. Lehrkräfte und Ausbilder müssen aktuelle Herausforderungen in der Wirtschaft zeitnah in die Curricula übertragen. Hier gibt es viel zu tun, insbesondere wenn ich an die Digitalisierung der Arbeitswelt denke.

Deutschland hat gute Erfahrungen mit der dualen Berufsausbildung gemacht. Deutsche Unternehmen bieten ihren Auszubildenden ein attraktives Angebot: einen Ausbildungsvertrag, eine Ausbildungsvergütung und eine qualifizierte Ausbildung in der realen Arbeitswelt. Die Industrie- und Handelskammern begleiten die Ausbildung und kontrollieren die Ergebnisse in bundeseinheitlichen Prüfungen.

Wir freuen uns über das Interesse, das diesem Modell auch in Polen entgegengebracht wird.

 

Ich danke Ihnen, Frau Ministerin Machałek, und den übrigen Teilnehmern für Ihre Teilnahme an der kürzlichen Studienreise nach Berlin Anfang Juli auf Einladung des Auswärtigen Amtes. Wie Sie hierbei sehen konnten, findet die Berufsausbildung in Deutschland vorrangig im Betrieb statt. Sie bietet damit ein qualitativ hochwertiges Lernumfeld und außerdem die Möglichkeit, erste Berufserfahrungen zu sammeln.

Voraussetzung dafür ist eine effektive Kooperation aller Akteure, eine Partnerschaft zwischen Staat, Kommunen, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Und dazu gehört heute auch eine europaweite Zusammenarbeit.

Die Ausbildung im Betrieb bedeutet für den Arbeitgeber erhebliche Kosten ‑ aber eben auch einen erheblichen Nutzen. Die Auszubildenden leisten bereits während ihrer Ausbildung einen wichtigen produktiven Beitrag für ihr Unternehmen. Nach ihrer Ausbildung werden sie häufig übernommen und kennen dann bereits die Anforderungen des Betriebs. Die ausbildenden Unternehmen sparen Rekrutierungskosten. So können sie dem Fachkräftemangel besser begegnen.

Eine Ausbildung am Arbeitsmarkt vorbei wird so vermieden.

Auch dem Staat und den Berufsschulen kommt eine wichtige Rolle zu. Die Jugendlichen bedürfen der Unterstützung bei der Ausbildungssuche und Berufsorientierung. Mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung verfügen wir über eine Forschungseinrichtung, die Prognosen über den künftigen Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und eine ständige Weiterentwicklung der Ausbildungsstandards erlaubt. Das Bildungssystem muss durchlässig sein und Weiterbildung und -qualifizierung ermöglichen. Der rasche Wandel der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung erfordert künftig noch mehr ein lebenslanges Lernen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei der beruflichen Bildung können wir gegenseitig voneinander lernen. Auch in Deutschland gehen die Schülerzahlen zurück. Es wird immer schwieriger, den künftigen Fachkräftebedarf zu decken.

Ich danke der schweizerischen und der österreichischen Botschaft sowie dem Ministerium für nationale Bildung für die gute Kooperation mit uns. Die Schweiz, Österreich und Deutschland haben ein vergleichbares duales berufliches Bildungssystem, eine vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit, weil sie einen guten Übergang von der Schule in den Beruf gewährleisten.

Die Deutsche Botschaft Warschau wird sich in der beruflichen Bildung weiter engagieren. Wir wollen im Herbst zur Diskussion an einem weiteren runden Tisch für die berufliche Bildung einladen.

Ich wünsche Ihnen nun eine gute Diskussion.

 Warschau, den 11. September 2017