Verdienstkreuz am Bande für Alicja Kubecka

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Botschafter Rolf Nikel sprach am 21. Juli 2016 bei der Überreichung des Verdienstkreuzes am Bande an Alicja Kubecka.

Sehr geehrte Frau Kubecka,

sehr geehrte Familie von Frau Kubecka,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass ich heute Sie, liebe Frau Kubecka, hier in meiner Residenz willkommen heißen darf. Wir haben uns heute zusammengefunden, um Sie zu ehren und Ihre Lebensleistung für die deutsch-polnische Aussöhnung zu würdigen.

Ihr Lebensweg ist – wie der Lebensweg so vieler Angehörige Ihrer Generation – gezeichnet durch den Krieg. Im deutschen Namen wurden in diesem Krieg fürchterliche Verbrechen begangen. Im August 1944 wurden sie während des Warschauer Aufstandes, bei dem ihr Vater ums Leben kam, verhaftet. Sie wurden über das Konzentrationslager Großrosen in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück deportiert. Bis zu ihrer Befreiung am 2. Mai 1945 mussten sie Zwangsarbeit im KZ-Außenlager Genshagen leisten.

Deutschland ist sich seiner Verantwortung für die Verbrechen bewußt, die Polen von deutscher Hand angetan wurden. Wir wollen und werden dies niemals vergessen. Desto mehr weiß ich zu schätzen, dass Sie, liebe Frau Kubecka, Ihr Leben der Aussöhnung zwischen unseren Völkern widmen. Viele andere in diesem Raum haben sich ebenfalls für diesen Weg entschieden. Nach unsäglichem persönlichem Leid haben Sie mit großer Würde und weitem Herzen Deutschland die Hand zur Versöhnung gereicht. Dafür sind wir Deutsche Ihnen sehr dankbar, auch ich persönlich.

Bereits zu Beginn der 1990er Jahre knüpften Sie Kontakte mit dem Maximilian-Kolbe-Werk. Seither setzen sie sich in vielfältiger Weise für die KZ- Und Ghetto-Überlebenden in Warschau ein. Mit Hilfe einer Krankenschwester und einer Ausgabestelle für Medikamente organisieren Sie die Versorgung von Schwerkranken. Für Überlebende, die sich aufgrund ihrer Krankheit in einer schwierigen finanziellen Situation befinden, vermitteln Sie finanzielle Hilfen des Maximilian-Kolbe-Werkes aus Deutschland.

Auch in Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück setzen Sie sich für die Aussöhnung ein. Nicht nur haben Sie wesentlich dazu beigetragen, die Geschichte des Lagers Ravensbrück vertiefend zu dokumentieren. Seit vielen Jahren reisen Sie zudem mit polnischen Jugendlichen zu den Befreiungsfeiern nach Ravensbrück. Sie wollen die Schüler für die deutsch-polnische Geschichte sensibilisieren. Der Wert eines in Frieden vereinten Europas ist Ihnen wichtig.

Darüber hinaus engagieren Sie sich in herausragender Weise als Zeitzeugin gegen das Vergessen. Wir wissen, dass wir Geschehenes nicht ungeschehen machen können. Aber: Wir können Erinnerung und Mahnung in unsere Lebensmitte holen. Deshalb bin ich Ihnen auch persönlich dankbar, dass Sie mehrmals im Jahr an Zeitzeugenprojekten des Maximilian-Kolbe-Werks in Deutschland teilnehmen, um ihre Erinnerungen an junge Deutsche weiterzugeben. Sie ermuntern damit junge Menschen, sich für die Freundschaft zwischen Polen und Deutschen sowie für eine friedliche Zukunft in Europa einzusetzen.

Deshalb hat der Bundespräsident Ihnen für Ihre Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung und Ihren humanitären Einsatz für KZ- und Ghetto Überlebende das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Ich darf Ihnen die Verleihungsurkunde reichen.

Ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Frau Kubecka, und Ihrer Familie weiterhin alles Gute und vor allem gute Gesundheit.

Lassen Sie uns nun auf das Wohl von Frau Kubecka anstoßen.

Warschau, 21. Juli 2016